Nun ist sie weg. Vieles von dem was wir vorher zu zweit gemacht haben – zig kleine Handgriffe wie bei einer eingespielten Mannschaft auf dem Reiseschiff – das muss ich nun alles alleine machen. Dauert deutlich länger. Doch es wird. Nach dem Ausschlafen räume ich auf, packe alles ein und erst so gegen 14.00 Uhr habe ich alles beinander und rolle vom Campingplatz. Erst einmal vor zum Meer. Doch was ist das? Wo gestern hunderte Parkplätze waren, wo ich den ganzen Strand für mich alleine hatte – sind jetzt alle Parkplätze voll besetzt. Hunderte Autos parken, tausende Menschen laufen hier herum. Bin ich im falschen Film? Ist das jetzt der Saisonauftakt von dem viele gesprochen haben? Kann ich mir fast nicht vorstellen. Ich parke kurz am Taxi Stand, denn sonst ist nichts mehr frei. Nehme das Handy und google Feiertage in Portugal. Tatsächlich: Heute am 10. Juni ist Nationalfeiertag!
Puh – freut mich für die Portugiesen, doch ich wollte eher meine Ruhe heute. Jetzt hole ich mir erst einmal etwas in der Bäckerei zur Stärkung.
Meinen Plan, heute nach Vila do Conde zu fahren, werfe ich über Bord. Plan B wird heraus geholt. Es geht Richtung Vigo.
Also raus auf die Autobahn und los geht‘s.

Nach einiger Zeit bin ich über den Rio Miño gefahren. Das ist nicht so schlimm, wie über den Jordan gegangen zu sein. Doch es bedeutet das Ende von Portugal. Und da kommt auch schon die Grenze. Jetzt bin ich in Spanien. Fast zweieinhalb Stunden habe ich bis hierher gebraucht und zack, jetzt klauen sie mir auch noch eine Stunde. In Spanien ist die Zeit Mitteleuropäisch. Grade war noch 17.00 Uhr – jetzt zeigt mein Handy plötzlich 18.00 Uhr an. Gegen ca. 18.30 Uhr erreiche ich Vigo. Spricht man Wigo und ist die größte Stadt von Galicien, Spanien, hat fast 300.000 Einwohner sowie einen internationalen Flughafen. Die Lage von Vigo ist einmalig. Es liegt fast wie an einem Fjord, der die Wellen vom Atlantik beruhigt. Wenig Wellen und der Wind ist hier wesentlich milder. Die Temperatur ist kontinuierlich gestiegen. Von 19 Grad auf 27 Grad. Vorgelagert ist die Insel Illa de San Martiño und von der Stadt aus betrachtet erinnert es sogar ein wenig an Rio. Es sind wunderschöne Ausblicke, die ich hier einfange, doch ich kann sie leider nicht auf Fotos oder Videos bannen. Geht schlecht während der Fahrt alleine und die Leitplanken sind zu hoch. Doch wer Zeit und Lust hat, sich im Internet sich Bilder von Vigo anzuschauen, das lohnt sich! Plötzlich kommt eine große Brücke.
Ich bin schon auf der Abbiegespur und ab jetzt führt mich meine Route zu einem entlegenen Campingplatz, weg von Vigo. Es geht kreuz und quer durch die Berge. Einmal kann ich kurz anhalten, indem ich auf einer wenig befahrenen Straße den Warnblinker anmache, aussteige und fotografiere. Alles ist so am Berg gebaut und so eng, dass es eine echte Herausforderung ist, mit dem großen Wohnmobil hier zu fahren.


Nach weiteren 30 Minuten habe ich es geschafft und bin in einer Sackgasse. Stehe genau vor dem Campingplatz. Das Tor ist zu – geschlossen! Was nun.
Plötzlich kommt eine junge Frau auf das Tor zu, öffnet es und sagt auf Englisch, dass der Platz noch geschlossen ist und erst am Freitag wieder öffnet. Sie bietet mir an das Tor zu öffnen, damit ich wenden kann auf dem Platz. Ansonsten hätte ich jetzt ca. 300m rückwärts fahren müssen und das auch noch mit Kurven und einer Steigung bergaufwärts von ca. 8 – 12 Prozent Steigung. Gott bin ich froh, dass Sie mich hier drehen lässt. Ich bedanke mich mehrfach und fahre wieder raus. Ok – suche ich den nächsten Platz. Wieder 15 Minuten durch enge Gassen und dann wird es ganz ambivalent: Auf der einen Seite steht das Schild mit Pfeil zum Campingplatz, auf der anderen Seite steht ein Durchfahrtsverbots-Schild für Wohnmobile!?! Dritter Platz wird gesucht. Doch als die Straße so eng wird, dass ich Angst habe stecken zu bleiben, wende ich mitten auf der engen Straße an einer Einfahrt. Mit viele Mühe und Warten von anderen Verkehrsteilnehmern schaffe ich es und trete die Flucht an. Dann fahre ich halt nach Cangas de Morrazo, dort gibt es auch noch zwei oder drei Campingplätze. Doch meine Hoffnung, dass es dort größere Straßen gibt sowie Campingplätze erfüllen sich leider nicht. Ein Campingplatz, den ich mit ca. 20 Prozent Steigung – gefühlt 30 Prozent – anfahre, mit viel Mühe, sagt die Dame an der Rezeption sie haben nur Glamping Zelte. Wieder drehen unter erschwerten Bedingungen. Langsam habe ich keine Lust mehr, werde müde und genervt. Also fahre ich zu einem Wohnmobil Stellplatz. Dort angekommen der nächste Schock. Es ist eng, muffig – irgendwie wie in einem Hinterhof – und da ist eine Wohnmobil Entsorgungsstation. Doch der Witz des Tages, daneben sind zwar Parkplätze, doch es steht ein Parkverbotsschild. Und kein einziges Wohnmobil. So etwas habe ich glaube ich noch nie erlebt, dass ich nicht mal einen Stellplatz für eine Nacht finde. Doch ich mag jetzt nicht mehr. Ich parke mich vorsichtig rückwärts zwischen einige hier geparkte Kleintransporter. Passt! Dann mache ich mir Abendessen, telefoniere mit Andrea, trinke ein kleines Glas Wein und recherchiere weitere Campingplätze in Galicien. Ich werde fündig, gehe ins Bett und schaue mir den dritten Teil von „Secret Service“ an.
Trotz der vielen Autos, die immer von der nahen Straße relativ laut zu hören waren, muss ich doch bald eingeschlafen sein.
Und heute morgen fühle ich mich wieder besser.
Die Vögel zwitschern fleißig, die Sonne lacht und bisher gab es keinerlei Probleme damit, dass ich im Parkverbot stehe. Ich mache mir einen Milchkaffee, ein schnelles Müsli und dann suche ich einen Supermarkt. Ich fahre nun zum dritten oder viertel Male am Hafen vorbei in Cangas de Morrazo. Doch heute fühlt es sich schon irgendwie vertrauter an und mein Mut steigt. Also quetsche ich mich – mit Warnblinker an – auf einen mittelgroßen Parkplatz und stelle mich irgendwo an die Seite, damit ich wenigstens zwei, drei Fotos habe als Erinnerung an diesen Ort.



Nun fahre ich weiter und steuere eine Tankstelle an mit der Tankstellen App. Mal sehen ob der versprochene Preis tatsächlich kommt, oft habe ich schon Enttäuschungen erlebt. Doch tatsächlich, ich kann wirklich für sage und schreibe für 1,38 Euro pro Liter Diesel volltanken. Meine Laune steigt und sie steigt noch mehr als nur 500 m weiter eine andere Tankstelle den Liter Diesel für 1,62 € anbietet. Es läuft!
Und dann fahre ich weiter und weiter auf kleinen Landstraßen und es wird immer schöner und schöner. Unglaublich!



Noch einige Kilometer und ich erreiche den Campingplatz. Er ist leider ca. 500 m vom Meer entfernt und so fahre ich vorsichtig weiter, um auszukundschaften, ob es einen Parkplatz am Meer gibt. Gibt es. Jedoch nur am Rande eines Kiosk, welcher noch nicht geöffnet hat.


Der Kiosk Besitzer repariert etwas und lässt dabei Musik laufen. Aktuell kommt Bruce Springsteen und ich stehe einfach nur da, schaue und genieße. Freundlich lächeln wir uns an.
Nach eine Weile reiße ich mich los und fahre zum Campingplatz. Ich werde freundlich begrüßt, dann fährt der Herr von der Rezeption mit einem Elektro-Roller vor und ich soll folgen. Er führt mich zu einem schönen Schattenplatz. Doch die kalten, windigen letzten Tage stecken mir noch in den Knochen. Deshalb sage ich , ich hätte gerne noch etwas mehr Sonne. Er lächelt und führt mich zu einem schönen sonnigen Platz. Wow diese Aussicht!

Er gibt mir sogar das Passwort für das WLAN in mein Handy ein und siehe da, das beste WLAN seit vier Wochen.
Ich baue meine Markise noch auf und dann sitze ich einfach und genieße. Esse eine Kleinigkeit und gegen 15.00 Uhr geht es an den Strand.
Es sind vom Platz aus nur ca. 300 m zu laufen. Und schon der Weg dahin ist einfach schön.

Als ich am Strand ankomme, reibe ich mir verwundert die Augen. Außer mir nur 3 – 4 Menschen. Wahnsinn!



Ich baue mir den Sonnenschirm auf und mache es mir auf meinem Strandtuch gemütlich – fühle mich wie ein kleiner König, so als hätte ich den Strand für mich. Recherchiere schon ein wenig die Strecke, die ich ab nächster Woche mit Werner fahre. Ganz entspannt und in toller Atmosphäre.
Dann gehe ich ins Meer. Es sind zwar keine Wellen und kaum Wind. Doch die Wassertemperatur ist halt Atlantik….
Mutig reiße ich mich zusammen und schwimme einige Minuten. Dann werden meine Finger richtig kalt und ich gehe zu meinem Strandtuch, um mich richtig schön aufwärmen.
Gegen 17.00 Uhr reicht es mir und ich gehe wieder hoch zum Womo. Als ich gerade vor dem Womo sitze, höre ich plötzlich ganz merkwürdige Geräusche. Heute beginnt die Fußball WM. Ist das so eine Tröte in Vorbereitung der Fußballspiele? Doch es klingt anders, melodischer. Ich schaue nach. Das gibt es doch nicht. Da spielt einer Dudelsack. Ich habe schon den ganzen Tag mein Scotland T-Shirt vom Urlaub letzten Jahres an – das passt ja dazu! Ich gehe rüber und sage, dass ich es schön finde und ob ich ein Selfie mit ihm machen könne. Er stimmt zu und seine Freundin filmt.

Er spielt wirklich schön und es hört sich für meine Ohren etwas besser an als das Dudelsackspielen in Schottland. Er sagt, es gebe in Galicien auch Dudelsackspieler, Er sei noch ein relativer Anfänger und müsse noch viel üben. Die Dudelsäcke in Schottland seien größer, gröber und lauter. Diese hier klingen wirklich etwas feiner. Er kommt aus der Nähe von Vigo und sie machen hier ein paar Tage Urlaub.
Dann verabschiede ich mich wieder und widme mich dem Reiseblog. Dabei recherchiere ich noch einmal diese Region.

Ich bin in der dritten Meeresbucht in Galicien von unten aus gesehen, Ria de Arousa. Das ist anscheinend auch die größte dieser drei Buchten. Und sowohl in Vigo, als auch hier, werden Austern gezüchtet.

Ca. 3.000 Tonnen Austern werden jährlich hier produziert, lese ich und die Austern gelten als sehr gut. Sie werden nach Mallorca und ganz Spanien verschickt. Doch nur hier in der Region sind sie fangfrisch. Vielleicht kann ich diese die nächsten Tage auch einmal probieren.

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