Heute 7 Uhr klingelt der Wecker. Wir stehen früh auf. Machen Kaffee. Richten uns ein kleines Frühstück her, frühstücken und räumen alles grob auf. Einen Teil lassen wir einfach auf dem Campingplatz stehen. Dann geht es los Richtung Flughafen. Kurz vor dem Flughafen Porto meldet sich Hanna kurz. Sie kommt etwas später als geplant zum Flughafen. Wir werden trotzdem alles hinbekommen. Vorgestern haben wir schon mal geübt mit dem Wohnmobil zum Flughafen zu fahren. Heute klappt alles schon routinierter, doch wir lesen, dass ich für die Einfahrt, das Ausladen, das Verabschieden und das wieder Ausfahren nur 10 Minuten Zeit habe an Stelle der gedachten 15 Minuten. Das wird sportlich. Vor allem, da sich viele Autofahrer vor dem Flughafen in die Parklücken drängeln und dann wieder raus. So entstehen immer wieder kleine Micro-Staus. Wir stellen den Timer auf dem Handy ein. Dann finden wir den angepeilten Parkplatz ganz am Ende der Parkreihe und ich schaffe es gut das Womo zu parken. Ich sprinte raus und helfe Andrea aus dem Womo. Sie will sich verabschieden, doch ich renne noch einmal schnell zum Timer. 3,30 Min erst. Gut – dann bleibt Zeit für eine innige Umarmung und einen Abschiedskuss!
Doch Andrea drängelt gleich danach: „Geh jetzt lieber. Da ist schon wieder so viel Verkehr und es staut sich!“ – deshalb schwinge ich mich auf den Fahrersitz. Rangiere rückwärts und es lässt mich einer einfädeln in die Schlange. Schneller als gedacht schaffe ich es zur Ausfahrtsschranke – 6.30 Minuten zeigt der Timer und die Schranke öffnet sich! Passt!
…wer jetzt vielleicht denkt, die sind aber unromantisch. 15 Minuten hätten schon 6 Euro gekostet und 30 Minuten 12 €. Und die ganze Zeit bis zum Bezahlautomat muss man ja dann noch abziehen, so dass faktisch nicht viel mehr Zeit geblieben wäre….
Ich stelle das Navi neu ein zurück Richtung Campingplatz. Nach ca. 20 Minuten bin ich wieder vor dem Campingplatz. Doch ich beschließe spontan mich ein paar hundert Meter weiter noch etwas an das Meer zu stellen. Finde leicht einen großen Parkplatz und schaue auf das Meer.

Es bläst heute wieder ein starker Wind. Ich schreibe Andrea und Hanna einen kleinen Gruß, dass ich gut zurück gekommen bin und frage nach, ob alles am Flughafen klappt.
Nun warte ich auf die Antwort und gehe ein wenig raus und lass mir den Wind um die Ohren pfeifen… Es fühlt sich heute bei nur 18 Grad und dem kalten Wind nicht an wie im Süden, sondern wie an der Nordsee. Der Strand ist menschenleer und niemand ist hier unterwegs. Und das obwohl es nur ca. 12 – 15 km nördlich von Porto und dem Flughafen ist.
Ich schicke noch ein Selfie an Andrea und Hanna.

Dann kommt die Nachricht: „Hat alles geklappt – sind durch die Sicherheits Kontrolle durch!“ – aufatmen! Nach der Aufregung gestern, sind wir nun alle sehr froh!
Vor genau vier Wochen, am Geburtstag von meinem Freund Thomas, sind wir gestartet. Nun ist dieser Teil der Reise beendet. Wir sind über die vier Wochen zu einem tollen Reiseteam zusammen gewachsen. Jeder hat etwas andere Aufgaben übernommen und so haben wir uns sehr gut ergänzt. Viel haben wir gemeinsam gesehen und erlebt. Und es war sehr schön, dass wir immer wieder Familienzeit hatten, mal mit Lea, mal mit Hanna, mal mit allen beiden und dann auch noch mit unserer Nichte Lara und ihrem Freund Aaron. 5.100 km sind wir zusammen im Womo unterwegs gewesen.
Nun wird es sich sicher erst einmal merkwürdig anfühlen für mich. Noch merke ich nichts. Die Aufregung an den An- und Abreisetagen übertönt meistens die leiseren, tieferen emotionalen Empfindungen.
Nun fahre ich zurück zum Campingplatz. Ich mache mir eine Kleinigkeit zu Essen und setze mich an das IPad um wieder einmal das Reisetagebuch zu erstellen. Die letzten Tage hatten Andrea und Hanna ihr Veto eingelegt. Ich benötige in der Regel zwischen 1 und 2 h für das Reisetagebuch pro Tag (Fotos sortieren, Text schreiben, Bilder einfügen, Korrektur lesen, online stellen). Und da ich auch der Meinung bin Familienzeit hat Vorrang, vor dem Reisetagebuch, habe ich zugestimmt und nur Fotos gesammelt und Stichworte aufgeschrieben und kein Reisetagebuch mehr geschrieben.
Andererseits hatte ich es mir ja vorgenommen. Zumindest FAST jeden Tag etwas zu notieren, damit ich später einmal nachlesen kann, was wir alles erlebt haben.
Also sitze ich und sitze und schreibe und sortiere Fotos. Und plötzlich kommt eine Mitteilung: „Wir sind gut gelandet in München!“ So schnell ging das gefühlt, wow! Wir haben drei Wochen gebraucht um nach Portugal zu kommen. Und in 3 h sind sie wieder zurück geflogen. Doch ziemlich sicher haben sie nicht so viel erlebt. Nun bin ich erleichtert, dass alles geklappt hat.
Dann schreibe ich weiter am Reiseblog. Doch beim Schreiben des Desasters mit dem online CheckIN gestern kommt alles wieder hoch und ich rege mich auf. Dann kommt der alte „Verwaltungsbeamte“ in mir durch und ich finde tatsächlich online ein Gerichtsurteil, dass dieses Verfahren, das da von der Lufthansa praktiziert wird, zumindest in bestimmten Fällen nicht rechtsmäßig ist. Am liebsten würde ich diese Urteil hier in eine Art Anhang oder eine Fußnote packen. Doch da ich mit WordPress noch nicht so fit bin, weiß ich nicht wie das gehen könnte. Deshalb hier das AZ falls jemand auch so etwas passiert: BGH Urteil 28. Oktober 2025 (Aktenzeichen: X ZR 110/24). Doch das mit dem Antrag ist vermutlich der einfachere Weg und der schnellere, wenn es klappt.
Plötzlich ruft Torsten an und sagt seinen Spruch mit „Gestern ist Morgen und Morgen ist Gestern…“ Er hat schon den einen Tag gelesen, an dem ich ihn zitiert habe. Und er meint, er schaut oft nach in Google Maps in welchen Ecken wir unterwegs sind. Wir telefonieren schön lange und reden über dies und das. Es macht Spaß und wir planen nebenbei schon ein wenig die nächste Motorradtour.
Dann ruft auch schon Andrea an und sagt, sie sei nun endlich nach weiteren 1 h 45 Minuten richtig in Neufahrn angekommen. Es gab noch ein paar Verzögerungen von Seiten der Lufthansa… Doch Hauptsache sie ist nun gut wieder zu Hause angekommen!
Geben Abend fahre ich mit dem Fahrrad am Strand entlang zum nahegelegenen Supermarkt. Unterwegs kann ich nicht anders und muss einfach ein paar Fotos machen von diesem herrlich leeren Strand.

Ging der Hinweg mit Rückenwind ganz leicht, so habe ich umgekehrt mit so starkem Gegenwind zu kämpfen, dass ich auf der Ebene nur im 3 Gang vorwärts komme – im 3. Gang von 21 Gängen! Und die Pulsuhr zeigt Puls 120! So etwas kenne ich sonst wirklich nur von Holland. Am Strand überlege ich noch, ob ich bis zum Sonnenuntergang warten soll.

Doch es sind noch fast zwei Stunden und es weht ein kalter Wind. Ich packe mal ein paar Cracker aus und eine Flasche Wein, die ich eingekauft habe. Stelle den Wein in den Strand und mache ein Foto.

Doch als ich das Etikett näher anschaue, denke ich, ich sehe nicht richtig. Das steht „Cancellus.“ Wenn man ein l weg lässt, heißt das „cancel us.“ – hat jetzt mein Unterbewusstsein mich mal wieder dominiert a la Freud und habe ich mir deshalb diesen Wein ausgewählt? Oder habe ich meinen Focus und meine Ängste so auf das Problem mit der Lufthansa online Buchung gelegt, dass ich jetzt überall nur noch „cancel“ lese? Irgendwie merkwürdig und ein wenig verrückt. Ich öffne ihn und trinke einen Schluck. Er schmeckt nicht schlecht. Doch es ist zu frisch am Strand und zu windig. Der Sonnenuntergang kommt erst in ca. zwei Stunden. Deshalb fahre ich zum Womo zurück.
Nach einem kleinen Abendessen lässt mir der nahende Sonnenuntergang keine Ruhe und ich fahre erneut zum Strand mit dem Fahrrad. Und jetzt wird es wirklich richtig schön.

Als ich da so am Strand stehe und auf die Wellen, die untergehende Sonne und den Horizont schaue, ergreift mich so ein erhabenes Gefühl. Und ich fange an zu philosophieren… Jahrhundertelang haben die Menschen geträumt da auf das Meer raus zu fahren und neue Welten zu entdecken. Ich schaue bei Google Maps nach und tatsächlich es gibt ungefähr eine fast gerade Linie nach Washington DC von hier aus direkt nach Amerika. Wieviel Mut das gekostet haben mag mit den kargen Mitteln vor ca. 500 Jahren sich auf so eine lange Reise zu begeben. Wochen- Monatelang auf See. Krankheiten, Verzweiflung, Emotionen in der Mannschaft, Heimweh, Sehnsucht nach Hause und doch haben sie es durchgezogen. Heute sind es nur ca. 10 h mit dem Flugzeug.
Seit dem 4. Juli 1776 besagt die amerikanische Unabhängigkeitserklärung laut der KI in meinem Browser Safari:
Sie ist die Gründungsurkunde der USA und proklamiert fundamentale Menschenrechte: Wikipedia +3
- Gleichheit und unveräußerliche Rechte: Alle Menschen sind von Natur aus gleich und besitzen unveräußerliche Rechte, darunter das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.
Kinderzeitmaschine +1
- Volkssouveränität: Regierungen leiten ihre Macht und Legitimation nur aus der Zustimmung der Regierten (dem Volk) ab.
Kinderzeitmaschine
- Recht auf Widerstand: Wenn eine Regierung diese Grundrechte unterdrückt, hat das Volk das Recht, sie abzusetzen oder zu stürzen und eine neue Regierung zu bilden.
Britannica
Upps – das war mir nicht bewußt, dass dieses Jahr schon der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ist, in weniger als vier Wochen! Das überlagert sich ja dann mit der Fußball WM. Und wenn ich bei meinen philosophischen Betrachtungen mir diese drei Menschenrechte so anschaue, dann frage ich mich: lesen die Amerikaner das auch noch mal ab und zu durch? Die Amerikaner waren von der westlichen Welt ganz vorne mit dem Menschenrechten, mit Mitbestimmung, mit dem Recht auf Widerstand. Und jetzt und heute?
Heute wünscht man sich manchmal, wir hätten Amerika nie entdeckt….
Mit diesen wehmütigen Gedanken schaue ich erneut in den Sonnenuntergang.

Und so schließt sich wieder ein Tag und ich bin gespannt was der Neue Tag morgen so mit sich bringen wird.


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