Von Coimbra nach Ericeira

Heute morgen stehen wir weit weg von Lara und ihrer WG. Der einfache Grund dafür sind die Feiern der Studenten zum Ende des Semester, die in Portugal traditionell sehr intensiv gefeiert werden. Es wird eine Woche ganz heftig gefeiert und zwar in der Regel nachts von 0 Uhr bis morgens 6 Uhr. Und zwar mit einer Lautstärke der Bands, dass wir sie noch an dem Ort, 4 km entfernt, wohin wir gestern Abend „geflohen“ sind, immer noch deutlich hören konnten. Doch so leise, dass wir schlafen konnten. Es ist ein großer Parkplatz neben einem Stadtstrand am Fluss Mondego. Man kann dort mit einem Kajak oder SUP zum Fluss gehen oder auch schwimmen. Heute morgen jedoch ist uns nicht danach – es ist nur 20 Grad und sehr trüb.

Stadtstrand am Fluss Mondego

So beschließen wir Croissants zu organisieren für unser Frühstück zu zweit. Hanna und Lea haben in der WG von Lara und Aaron geschlafen. Wir suchen ein Einkaufszentrum in der Nähe und fahren hin. Als ich vor der Bäckerei-Abteilung stehe, denke ich plötzlich, warum riecht es hier so merkwürdig. Und dann denke ich: es ist vielleicht nicht unbedingt die strategisch günstigste Entscheidung die Fischabteilung von Frisch-Fisch direkt neben die Bäckerei Abteilung zu setzen. Mir wird ganz merkwürdig im Magen. Diese Mischung von frischen Semmeln, Croissants und frischem Fisch habe ich noch nie gerochen. Angenehm war es nicht. Schnell packe ich einige Croissants und etwas Brot ein und kaufe an anderer Stelle weiter ein, bis sich mein empfindlicher Magen wieder etwas beruhigt hat. Dann beschließe ich mich noch mal der Herausforderung von reinem Fischgeruch zu stellen. Und siehe da, es klappt. Und ich bin echt beeindruckt von der Vielfalt an Fischen. Doch vor allem die bereits getrockneten und nicht mehr gekühlten riesigen flachen Fische haben es mir, zumindest rein optisch und aufgrund ihrer Exklusivität, angetan. Der Geruch von ihnen wiederum war ebenfalls neu und leicht grenzwertig.

Bacalhau

Es handelt sich bei diesem Trockenfisch um stark gesalzenen Kabeljau, der mit Hilfe von Salz konserviert wird. Es handelt sich um ein Nationalgericht und zählt zu den portugiesischen Symbolen wie der Fado oder das Heiligtum von Fatima.

Anschließend frühstücken wir auf einem Parkplatz und gehen dann wieder zur WG von Lara.

Haus von der WG von Lara

Wohnungsnot ist nicht nur ein Thema in Deutschland. Der Vermieter vermietet das Haus ständig an eine 11er WG. Es ist ein einfaches Haus mit „normaler Ausstattung“ und jeder muss 350 Euro bezahlen pro Monat. Gesamt bekommt der Vermieter also 3,850 € von den Studenten. Bei einem Durchschnittslohn von ca. 1.750 € brutto und ca. 1.100 – 1.200 € netto im Monat ist es schwer eine bezahlbare Wohnung zu bekommen, wenn selbst ein einfaches Zimmer in einer Studenten-WG 350 € kostet.

Nach einigen Überlegungen und Diskussionen wie es jetzt weitergeht, entscheiden wir uns Coimbra wieder zu verlassen und uns von Lara und Aaron zu verabschieden. Es zieht uns weiter Richtung Lissabon und Algarve.

Unterwegs sehen wir eine reizvolle Landschaft, die uns etwas an die Toscana im Frühjahr erinnert.

Lea als Kapitänin des Wohnmobils

Heute hat Lea mich einmal abgelöst und steuert das Wohnmobil souverän über die Autobahn. Ich bin froh, dass ich nicht so viel fahren muss und so erreichen wir Ericeira an der Westküste kurz vor Lissabon.

Ericeira ist ein Surfhotspot und direkt neben dem Campingplatz, den wir ansteuern, befindet sich schon ein riesiger Gebäudekomplex mit der Aufschrift „Surfen, Skaten, Coffee“.

Ich wundere mich, dass man mit einem Surfshop und Kaffee anscheinend so viel Umsatz machen kann. Lea meint, das Surfen sei jetzt sehr „In“. Und ich philosophiere: „vermutlich war das Surfen früher was für eher am Rande der Gesellschaft stehende Exoten und jetzt ist das Surfen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ – Ich glaube ich lag nicht ganz falsch. Zumindest, wenn man es hier speziell auf diesen Ort bezieht. Denn es kommt noch besser. Als wir recherchieren im Internet stoßen wir auf einen Artikel von n-t-v vom 22.3.2011:“

„Ericeira bei Lissabon wurde als erstes Gebiet Europas zum offiziellen Surfreservat erklärt. Damit zeichne die Organisation World Surfing Reserves (WSR) die Qualität und Beständigkeit der Wellen aus, erklärt das Tourismusbüro Portugals.

Bekannt für seine Wellen ist besonders der Strand Ribeira d’Ilhas. Dort surfen die Profis seit 1985 jedes Jahr um die Weltmeisterschaft. Daneben gebe es aber auch Plätze für Anfänger, teilt das Tourismusbüro mit. Die besten Wellen finden Surfer von September bis Mai. Ericeira liegt 50 Kilometer nördlich von Lissabon.

Neben Ericeira hat die WSR bisher nur drei andere Gebiet weltweit zu Surfreservaten erhoben: Malibu und Santa Cruz in Kalifornien sowie Manly Beach in Australien. Die WSR will damit nach eigenen Angaben herausragende Surfspots und ihre Umgebung schützen.“ (Quelle n-tv.de)

Das adelt diesen Ort natürlich schon besonders. Damit ist Andrea die Einzige von uns Vieren, die alle drei Surfreservate schon besucht hat. Ich war schon in Manly Beach mit Andrea – doch noch nicht in Malibu. Und wir wussten alle nicht, dass Ericeira so ein gutes Surfrevier sein soll. Doch das Wetter lässt heute etwas zu wünschen übrig. 20 Grad gegen Abend und sehr, sehr windig.

Wir kochen im Wohnmobil Gemüse und Spaghetti und essen gemütlich. Dann ruft uns der Sonnenuntergang noch nach draußen. Hanna und Lea gehen die ca. 500 m bis zum Meer. Andrea und ich schauen nur zu von der Anhöhe des Campingplatzes aus zu, bis die Sonne untergegangen ist. Gleich danach machen wir uns an den Abwasch.

Im Westen geht die Sonne unter bei Ericeira

Hanna und Lea haben uns dann von „unten“ noch ein schönes Bild mitgebracht.

UND das ist für mich sehr aufregend, denn es deuten sich zum ersten Mal Klippen und Felsen an auf die ich sehr neugierig und gespannt bin. Ich kenne Portugal bisher nur von meiner ersten Reise nach dem Abi vor so langer Zeit und da habe ich nur normalen Sandstrand erlebt.

Bin gespannt wie es morgen weitergeht mit unserer Reise.

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