Am Morgen werde ich von einem megalauten Glockengeläut geweckt und reibe mir die Augen! Wo bin ich?! Ah in Fatima! Sie stellen abends um 22.00 Uhr das Glockengeläut aus und morgens um 7.00 Uhr wieder an. Den ganzen Tag gibt es alle 15 Minuten ein Glockenspiel nach einer bekannten Melodie. Doch wir können die Melodie einfach nicht identifizieren. Heute wollen wir die letzte Etappe fahren bis zu unserem Ziel Porto.
Wir verabschieden uns von Fatima und fahren los. Im Womo hören wir auf den längeren Etappen gerne ein Hörbuch. Aktuell „Der Tote mit dem Silberzeichen“, Band 8 der Cormoran Strike Reihe von Robert Galbraith. Rita, eine Arbeitskollegin von Andrea, hat uns auf diese Reihe aufmerksam gemacht und seit Band 1 sind wir quasi süchtig… Wobei sie uns auch darauf aufmerksam gemacht hat, dass Robert Galbraith das Pseudonym von J.K. Rowling ist, der Harry Potter Autorin. Die Strike Reihe ist mindestens ebenso ausschweifend und ausladend wie die Harry Potter Romane – entsprechend geht ein Hörbuch über ca. 32 h. Für so eine lange Reise also ideal.
Kaum dass wir einige Kapitel angehört haben, verlassen wir schon wieder die Autobahn und fahren ab nach Porto. Am Stadtrand ist Porto, die so oft gelobte schöne Stadt am Fluss Duoro, genau so häßlich wie die meisten europäischen Großstädte. Graue Hochhäuser neben grauen Hochhäusern, Industrieanlagen, Tankstellen, Raffinerien, Industriegebiete….
Wir haben uns in der Stadt mit unserer Tochter Lea verabredet. Sie ist schon vor einigen Tagen nach Porto geflogen und bleibt über die Pfingstferien in Portugal. Sie meint sie möchte uns einen schönen Park in der Stadt zeigen und hat auch einen passenden Parkplatz entdeckt. Und auch für uns zeigt sich Porto langsam aber sicher von seiner schöneren Seite.

Wir kämpfen uns durch den städtischen Verkehr und finden Lea und den angegebenen Parkplatz – doch leider ist unser Wohnmobil zu lang und kein anderer freier Parkplatz in der Nähe. Deswegen fahren wir schlussendlich zu dritt weiter, ohne den Park angeschaut zu haben. Wir gelangen zum Ufer des Duoro, dem wir nun einige Zeit folgen.


Nun sind wir auf dem Weg Richtung Cafe Tavi – Confeitaria da Foz, einer Konditorei mit Cafe und Terrasse mit Blick aufs Meer, die Petra, unsere Freundin aus Holland, uns ganz besonders empfohlen hat. Und wir möchten dort hin um die vielbeschworenen Pastel de Nata zu essen, die leckeren portugiesischen Küchlein im Blätterteig. Und auch Werner, mein Freund, hat mir geschrieben ich müsse unbedingt diese Küchlein essen. Doch oh weh, als wir am Tavi ankommen, herrscht gähnende Leere. Es hat geschlossen. Wir sind geschockt. Wir suchen mühevoll in der Nähe einen Parkplatz und Lea geht zu Fuß hin um zu sehen, was da los ist. Sie kommt lächelnd mit einer kleinen Pappschachtel zurück und hält sie triumphierend hoch. Das Tavi hat zwar zu, weil es renoviert wird, doch sie hat in der Nachbarschaft drei von den portugiesischen Spezialitäten organisiert für uns.
Jetzt fängt der Urlaub an!




Ich schaue auf den Autotacho und notiere die aktuelle Zahl des Kilometer Standes. Dann nehme ich die Zahl, die ich bei der Abfahrt notiert habe. Ziehe die eine von der anderen ab. Das Ergebnis ist kaum zu glauben – da Schnapszahl- genau 3.666 km sind wir von Neufahrn bis hierher an den Atlantik in Porto gefahren. Wir sind wirklich stolz darauf, dass wir so gut und so entspannt diese lange Strecke gemeistert haben und aus Übermut und Freude nehme ich meine Frau hoch und lasse sie hochleben!

Und für mich schließt sich nun ein Kreis. Vor mehr als 40 Jahren nach dem Abi war ich auf einer 6 Wochen Reise mit meinem alten VW Käfer und Zelt das letzte Mal hier in Portugal. Damals bin ich die Strecke über Bordeaux, Bilbao bis La Coruña gefahren und dann nur bis Porto gekommen. Deshalb schließt sich nun der Kreis, da wir dieses Mal die ganze Strecke über Barcelona der spanischen Südküste entlang bis Porto gefahren sind. Und einige der Regionen wie die Algarve werden wir noch erkunden in den nächsten Tagen und Wochen.
Doch nun freuen wir uns auf die kleinen Spezialitäten!



Innen weich und nach Vanille sowie Creme schmeckend, außen knusprig vom Blätterteig. Jetzt ist alles perfekt!
Wir genießen alle drei gemeinsam diesen schönen Moment. Dann fragen wir uns, ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre noch schnell eine Abkühlung im Meer zu nehmen. Gesagt, getan. Schnell ziehen wir uns um und Lea und ich springen mutig in den ca. 16 Grad kalten Atlantik. Die Wellen und die Strömungen sind sehr stark, doch es ist herrlich endlich mal wieder am Atlantik zu sein. Anschließend legen wir uns noch an den warmen Stadtstrand und lassen uns trocknen.
Es ist jetzt langsam Zeit aufzubrechen. Wir möchten noch auf einen Campingplatz im Norden von Porto und alles vorbereiten. Heute Nacht kommt auch noch unsere jüngste Tochter Hanna über die Pfingstferien nach Porto geflogen. Deshalb stoppen wir noch kurz bei einem Supermarkt und kaufen einiges zum Essen ein.
Danach checken wir beim Campingplatz ein. Dieser war erstmal als eine Art Notlösung gedacht, damit Hanna, die erst gegen Mitternacht am Flughafen in Porto landet, unkompliziert und schnell mit einem Uber Taxi zu uns gelangen kann. Doch er ist gar nicht schlecht. Nur ca. 800 m vom Meer entfernt und mit einem kostenlosen Eintritt für ein Freibad gekoppelt, welches direkt neben dem Campingplatz liegt.
Wir machen uns was zu Essen und sitzen gemütlich draußen.
Dann zieht es uns noch mal ans Meer um den Sonnenuntergang zu sehen.




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