Kaum dass ich die Türe vom Wohnmobil in der Früh von innen aufmache, um mich mit meinem Cappuccino auf die Stufe zu setzen und gemütlich den Morgen zu genießen, da sitzt auch schon ein kleiner Gast und macht es sich ebenfalls dort schon gemütlich.

Wir wurden uns dann einig und schon 8.30 Uhr fahren wir wieder los – weiter auf der Fahrt nach Portugal. Zunächst geht es immer sehr schön an der Küste entlang mit schönen Blicken auf das Meer. Ab Málaga geht die Straße dann wieder ins Landesinnere und in die Berge. Major John, unser Womo, hat ganz zu kämpfen. Doch er brummt brav vor sich hin und zieht die Berge hoch. Starker Wind mit extrem starken Böen lässt uns auf der Autobahn schaukeln wie ein Schiff. Ich reduziere die Geschwindigkeit deutlich, denn das fühlt sich nicht gut an. Nach uns nach wird der Wind dann wieder weniger und plötzlich ändert sich das Landschaftsbild von Andalusien. Erst dachten wir, hier wird Wein angebaut. Doch nein – es sind Oliven. In wunderbar akkurat geplanten Reihen stehen tausende und abertausende Olivenbäume rechts und links der Autobahn bis zum Horizont.


Da wir meistens Olivenöl aus Kroatien, Italien und Griechenland kaufen, sind wir sehr erstaunt, dass unsere Wiki – Recherche ergibt, dass ca. 60 Millionen Olivenbäume in Spanien gibt und Spanien der weltweit größte Olivenöl Produzent ist. Mehr als 5.000.000. Tonnen Oliven werden hier geerntet. Wohingegen Italien gerade einmal die Hälfte produziert. Doch die Erde sieht, als wir einmal anhalten, sehr trocken und nicht sehr lebendig aus in den Olivenplantagen. Es sieht stark nach Monokultur aus. Es ist heiß, trocken, staubig und man hört keine Vögel, sieht kaum Insekten. Die gesamte Landschaft ist nur auf Olivenanbau ausgerichtet. Ob das der Weisheit letzter Schluß ist unter ökologischen Aspekten scheint fraglich. Doch trotzdem nehmen wir uns vor das spanische Olivenöl einmal zu probieren. Man nennt ja das Olivenöl auch das „flüssige Gold“ aufgrund seiner speziellen sehr gesunden Zusammensetzung der gesättigten und ungesättigten Fettsäuren.
Zwischendurch kommen höhere Berge und eine insgesamt recht abwechslungsreiche Landschaft von der Landschaftsform her.
Langsam nähern wir uns der Hauptstadt Andalusiens, Sevilla. Wir schmieden einen Plan und finden in Google Maps einen Parkplatz für Wohnmobile, den wir ansteuern. Das Wetter ist heute anders. Fast den ganzen Tag bedeckt. Deshalb wundern wir uns, dass die Temperatur trotz Wolken auf bis zu 34 Grad ansteigt. In Sevilla kämpfen wir uns durch die Großstadt (ca. 700.000 Einwohner) und gelangen schließlich an den Zielort. Überall Parkplätze – doch Höhenbegrenzung 2,1 m. Da passen wir nicht durch. Was tun? Es ist drückend heiß, wir sind schon etwas müde vom Fahren seit dem frühen Morgen und überlegen mit dem Rollstuhl einen Bus zu besteigen. Doch als wir sehen, wie voll die Busse sind, verlässt uns der Mut. Wir schmieden den Plan Chat GPT zu befragen. Die KI stellt uns eine Touristenroute für große Wohnmobile zusammen, bei der wir viele Sehenswürdigkeiten vom Womo aus sehen können. Das hört sich gut an. Doch zunächst müssen wir die einzelnen Wegpunkte einzeln in Google Maps eingeben. Das machen wir und dann fahren wir los. Doch nach einigen Kilometern fahren wir nur noch im Kreis, die Straßen werden immer enger und wir haben noch keine einzige Sehenswürdigkeit gesehen. Wir zweifeln an unserer Route und schauen nach. Tatsächlich suchen wir nur eine einzige in einer ganz engen Straße gelegene Kirche, die wir gar nicht eingegeben hatten. Verdutzt suchen wir einen Weg zurück auf die größeren Straßen und suchen den „goldenen Turm“ – in dem wir diesen noch mal eingeben. Dann geht es erneut los.
Auf dem Weg dorthin fahren wir an Siedlungen vorbei, bei denen überall nur noch Müll auf der Straße liegt und es extrem verwahrlost wirkt. Wir sind geschockt und ich als Sozialpädagoge denke mir, da wäre viel Handlungsbedarf, so wie das ausseht und wirkt. Und dann kommen wir in die Paseo de las Delicias.

Es ist eine Prachtstraße von Sevilla. Drei Spuren in jede Richtung. Unglaublich gepflegt. Viele Palmen und Orangenbäume rechts und link und sehr schöne Häuser. Der Gegensatz könnte kaum größer sein, zu dem war wir gerade gesehen haben ein paar hundert Meter entfernt. Der Gegensatz zwischen arm und reich scheint in Sevilla groß zu sein. In dieser Straße befinden sich viele Botschaften aus aller Welt.

Und auch der Regierungssitz von Andalusien ist hier.

Am Ender der Straße finden wir schließlich unseren lange gesuchten „goldenen Turm“ – der jedoch nicht mehr golden leuchtet. Nach einer Recherche erfahren wir, dass er früher mal ein goldenes Dach hatte und geleuchtet hat – doch jetzt nicht mehr.

Doch trotzdem ist es schön. Genau beim Turm ist eine Brücke über den Guadalquivir. Viele Menschen spazieren durch die Stadt und es erinnert uns ein klein wenig an Prag.



Alt und neu in einer speziellen Mischung. Rechts von der Brücke der Torre Sevilla, das mit 180 m höchste Bauwerk Andalusiens.

Doch wir haben in dieser Hitze und bei dem Gedränge langsam keine Lust mehr. Wir müssen ja noch weiter fahren und so verabschieden wir uns wieder von der Stadt. Wir hatten heute nicht so viel Glück beim Versuch seine vielbeschworene Schönheit zu entdecken. Doch wenigstens haben wir einen kleinen Eindruck bekommen und sind nicht einfach nur vorbei gefahren.
Nach weiteren ca. 30 – 40 km nach Sevilla biegen wir auf eine Landstraße ab und dann kommt es:


Unser Kilometerzähler zeigt kurz nach Sevilla an, dass wir bereits 3.000 km gefahren sind seit unserem Start vor 13 Tagen. Nun sind es noch 123 km bis zur Grenze und noch ca. 580 km bis zu unserem ersten Ziel Porto.
Es ist schön einmal wieder Landstraße zu fahren. Die Straße schlängelt sich von Berg zu Berg, von Kurve zu Kurve. Und wieder einmal fast unmerklich ändert sich die Landschaft und die Vegetation. Von trocken und staubig plötzlich zu grün und bewaldet. Hier scheint mehr Wasser zu sein, als in den Regionen der letzten Tage.
Bei Aracena biegen wir auf kleinere Straßen ab und fahren zu einem Campingplatz am Rande des Landschaftsschutzgebietes “Sierra de Aracena“.
Der Campingplatz ist einer der einfachsten, die wir bisher hatten. Doch er hat seinen Charme aus der vielen Natur und der Ruhe, die er zu bieten hat. Wir suchen einen Platz – reden lange mit dem Betreiber, einem älteren Deutschen aus Landsberg am Lech, der seit zwei Jahren hier mithilft und arbeitet – und dann gibt es zur Entspannung was zu essen und zu trinken im First Class Restaurant:


Heute noch einmal ausruhen und schlafen und morgen werden wir Portugal erreichen.

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