Ein Geschenk bekommen zu Weihnachten von der Tochter. Einen Vater-Tochter Ausflug mit dem Fahrrad. Termin war noch unbestimmt. Doch plötzlich diese Woche Anruf: „Papa es ist soweit – können wir nicht am Samstag unseren gemeinsamen Radl Ausflug machen?“
Upps – so plötzlich. Ausgerechnet am Samstag, wo ich schon auf die Demo von Fridays for Future wollte und abends mit einem Freund verabredet war. Zudem hat mein Fahrrad gerade einen Platten. Naja, vielleicht kann man das einfach koppeln und wir fahren mit dem Fahrrad nach München und schauen bei der Demo vorbei. Nachmittags fahre ich noch kurz bei dem Freund vorbei und verschiebe unsere Verabredung um eine Woche
Am nächsten Tag wird das Fahrrad repariert und bei der Gelegenheit endlich mal wieder geputzt. Wow – schaut fast wieder aus wie neu! So langsam freue ich mich auf den Ausflug.
Samstag, 17.4.26 gegen 10.30 Uhr starten wir. Erst ein wenig durch die Siedlung, dann noch ein paar Straßen und schon kommen wir auf unbefestigte Schotterwege, die uns zur Isar führen. Unser Plan ist immer an der Isar entlang bis ins Zentrum von München, der Leopoldstraße und dem Siegestor zu fahren. Nach ca. 5 km erreichen wir die Isar. Überall schöne Natur,die Vögel zwitschern und die Sonne lacht. Das Wetter ist perfekt. Nicht zu kalt und nicht zu warm, relativ wenig Wind.
Andrea hat uns ein Stück mit dem Dreirad begleitet. Wir fahren auf der von uns gesehen linken Seite weiter die Isar entlang.. Nach ca. 1o km verabschieden wir uns von Andrea und fahren zu zweit weiter. Nach weiteren 2 km entdecken wir plötzlich ein Schild: „Biergarten 600 m“. Das war für uns eine neue Entdeckung. Mittlerweile haben wir, schon ständig nur im Wald und an der Isar entlang fahrend, völlig die Orientierung verloren. Sind wir in Garching oder Fischerhäuser oder schon in Ismaning? Keine Ahnung, doch wir wollen keine Zeit verlieren. Sonst findet die Demo in München ohne uns statt.
Doch ein Bild von der Isar von der Brücke muss sein.

Wir fangen langsam an zu begreifen, wie umfassend und weit die Renaturierung der Isar schon gediehen ist in den letzten 20 – 30 Jahren. Überall sieht man kleine Sandbänke. Gerne genutzt von Tagesausflüglern oder Anglern, die entspannt im Hier und Jetzt verweilen. Auch kleine Nebenflüßchen und kleine Abzweige der Isar sind immer wieder zu entdecken.
Plötzlich weitet sich das Gelände und immer mehr sehen wir parkähnliche Anlagen links oder rechts der Isar. An einer Brücke wechseln wir wieder auf die von uns aus gesehen rechte Seite der Isar und beginnen allmählich zu verstehen, wie groß und wie lang der Englische Garten wirklich ist. Das war uns nicht bewußt. Es ist einfach nur schön so viel Grün unteren einer der drei größten Städte Deutschlands vorzufinden. Überall Spaziergänger, Junge Eltern schieben ihre Kinderwägen, Manche sonnen sich schon in Badekleidung auf der Wiese. Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Fahrrädern und auch einen speziell ausgewiesenen Weg für Pferde können wir hier erkennen. Es ist für alle Altersgruppen und Menschen mit unterschiedlichen Hobbys was geboten.
Plötzlich zeigt google Maps an es seien nur noch 500 m bis zur Leopoldstraße und noch sehen wir keine Stadt. Keine Häuser. Keine Straßen. Es ist unglaublich. Nur Grün. Dann kommt ein Kiosk mit Bierbänken draußen im Grünen und dann eine Straße. Die Zivilisation hat uns wieder. Viele Menschen drängen sich auf engstem Raume. Autos, Fahrräder, Spaziergänger. Wir wursteln uns die letzten 300 Meter durch und stehen plötzlich inmitten der Demo direkt auf der Leopoldstraße. Mit Blick auf das Siegestor.. Schnell schließen wir unsere Fahrräder ab und schauen einmal was auf der Kundgebung so passiert

Es ist warm und ich fange an mich vorsichtshalber mit Sonnencreme einzucremen. Ich erinnere mich. ich war 15 – also vor 50 Jahren, als ich in meinem Schulort in den Zug stieg um die 50 Km nach Stuttgart zu fahren. Ich glaube es war sogar mein Geburtstag. Es gab eine große Demo der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) um auf den damals herrschenden Lehrermangel und die schlechten Zustände für Lehrer und Erzieher hinzuweisen. Das war meine erste Demo und heute bin ich wieder einmal bei einer Demo. Das Problem, dass die Sprachqualität der Redebeiträge so schlecht ist, ist immer noch das selbe wie vor 50 Jahren. Vieles von dem was auf der Rednerbühne gesagt wird, bleibt irgendwo an den Häuserwänden im Dschungel der Großstadt hängen oder es hallt so dermaßen wider, dass man leider nicht alles versteht. Doch es macht Spaß, wenn die Redner es verstehen, ihre Rufe mit „Hände hoch“ zu koppeln oder sogar mit einer LaOla-Welle wie im Stadion. Tausende eigene Hände und Körper – fast wie auf einem Festival.

Doch da wir ja auch wieder zurück fahren wollen und ein Toiletten Gang auch nicht das schlechteste wäre, verlassen wir die Demo wieder
In der nahen Uni können wir kostenlos kurz auf die Toilette und schon sitzen wir wieder auf dem Fahrrad in umgekehrter Richtung.

Wieder über die schöne Brücke der Isar und weiter geht es immer weiter der Isar entlang. Ziel ist der vorher entdeckte Biergarten.
Bei km 38 dann endlich das Schild zum Biergarten und 600 m weiter, dann sind tatsächlich da.


Es ist perfekt. schönes Wetter, schon gesportelt und ein Biergarten mit Bierbänken unter alten Kastanien. Wir suchen uns was leckeres zum Essen aus und ein Getränk.

Wir genießen so richtig die schöne Biergarten Atmosphäre und die Brezen, das Essen und die kühlen Getränke.
Nach eine ausgiebigen Pause entschließen wir uns dann wieder aufzubrechen und den Rest der Heimfahrt anzugehen.
Gestärkt durch die schöne Pause und die gute Laune fahren die Fahrräder plötzlich gefühlt leichter. Und übermütig überholen wir einige E-Biker Radler und schaffen es tatsächlich Abstand zu ihnen hinzubekommen, bis wir sie schließlich nicht mehr hinter uns entdecken können. Mein Puls geht langsam in die Höhe und meine Beine fangen an schwerer zu werden. Doch es ist zu schön um langsamer zu fahren und so halten wir die Geschwindigkeit. Und wupps – schon sind wir an dem Punkt wo wir uns von der Isar wieder wieder verabschieden müssen, um nach Hause zurück zu kehren. Noch 5 km. Wir machen einen kurzen Stopp- Lea hängt ihre Füße in das erfrischende kalte Wasser und ich ruhe mich auf einer Treppe am Ufer der Isar aus und trinke einen Schluck aus der Wasserflasche.
Dann schaffen wir auch zügig die restliche Strecke und sind müde und staubig nach ca. 50 km Schotterstrecke wieder zu Hause angekommen.
Ein Blick auf die Sport App zeigt schöne Werte an. Fast 52 km und bei der Rückfahrt einen Schnitt von 18,8 km / h. Das ist für die erste längere Fahrradtour dieses Jahr ein guter Wert.
Ein wunscherschöner Vater- Tochter Ausflug geht zu Ende. Ein Gefühl der Dankbarkeit und Zufriedenheit stellt sich ein.
Schee war`s

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